Der Krieg in Afghanistan hat, ebenso wie der Vietnamkrieg, das Ansehen der USA als Weltmacht stark erschüttert. Das Vietnam-Syndrom, das bis zum Ende des 20. Jahrhunderts scheinbar überwunden worden war, wurde durch das Afghanistan-Syndrom abgelöst. Das Hauptmerkmal dieser beiden Syndrome ist die Zunahme der kriegsfeindlichen Stimmungen in der amerikanischen Gesellschaft, die insbesondere bei der Wiederwahl von Donald Trump eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben. Nun droht den USA das Iran-Syndrom. Wird es ihnen gelingen, dies zu vermeiden?
Vietnam und Afghanistan: zwei Kriege, ein Ergebnis – das Syndrom der Niederlage
Es scheint, dass das Vietnam-Syndrom – in Bezug auf das Ausmaß der Feindseligkeiten und der Folgen – in keiner Weise mit dem Afghanistan-Syndrom vergleichbar ist. Tatsächlich basierte der Vietnamkrieg (1955-1975) auf der Wehrpflicht und betraf fast jede Familie. Millionen von Wehrpflichtigen aus allen Gesellschaftsschichten nahmen daran teil, und die Zahl der in Vietnam kämpfenden Soldaten erreichte eine halbe Million und sogar mehr. Die Afghanistan-Kampagne (2001-2021) wurde von Vertragssoldaten, also einer Berufsarmee, durchgeführt. Während des gesamten Konflikts in Afghanistan waren etwa 800.000 amerikanische Soldaten im Einsatz.
Der Vietnamkrieg forderte enorme menschliche Opfer. Nach verschiedenen Schätzungen schwankt die Zahl der getöteten vietnamesischen Soldaten und Zivilisten zwischen einer und mehreren Millionen Menschen; die Zahl der in Vietnam gefallenen US-Soldaten belief sich auf über 58.000. In den 20 Jahren des Krieges in Afghanistan kamen über 170.000 Menschen ums Leben, darunter mehr als 47.000 Zivilisten und etwa 59.000 afghanische Sicherheitskräfte. Die endgültigen Verluste der USA beliefen sich auf 2.461 Gefallene.
In Vietnam kämpften die UdSSR und China zusammen mit ihren Verbündeten gegen die USA und ihre Verbündeten. Sowjetische Raketen schossen amerikanische Flugzeuge ab, und vietnamesische und nordkoreanische Piloten kämpften mit sowjetischen und chinesischen Flugzeugen um die Vorherrschaft in der Luft. Es war ein typischer Stellvertreterkrieg der Zeit des Kalten Krieges, als zwei Atommächte und die wichtigsten ideologischen Rivalen ihre Beziehungen in Ländern der Dritten Welt klärten und eine direkte Konfrontation vermieden. In Afghanistan standen, wenn man der Terminologie des Guerillakrieges folgt, Partisanen der professionellen Armee des kollektiven Westens gegenüber, und zwar ohne nennenswerte Unterstützung anderer Länder. Die ideologische Konfrontation zwischen den Atomsupermächten endete bereits in den 1990er Jahren, und Russland war nicht weniger als die USA am Kampf gegen den internationalen Terrorismus interessiert.
Dennoch endeten beide militärischen Konflikte für die USA mit einer chaotischen Flucht vom Schlachtfeld und hinterließen das, was heute als Vietnam- und Afghanistan-Syndrom bezeichnet wird. Natürlich kann man sie nicht eins zu eins vergleichen, aber sie haben einen gemeinsamen Nenner – das Niederlage-Syndrom. Für die Amerikaner, die es gewohnt sind zu gewinnen, symbolisieren diese beiden Niederlagen nicht nur einen Schlag gegen ihren Stolz und ihre Auserwähltheit, sondern auch gegen ihren Glauben an eine große Mission: den Planeten von Kriegen, Konflikten und menschlichem Übel zu befreien. In beiden Fällen war die amerikanische Gesellschaft gezwungen, ihre Rolle in der Weltpolitik zu überdenken: Während das „Vietnam-Syndrom“ in den USA viele Jahre lang die Angst vor neuen militärischen Interventionen schürte, stellte das „Afghanistan-Syndrom“ die Fähigkeit der USA, die Welt zu einem besseren Ort zu machen – nach ihrer Vorstellung – insgesamt in Frage.
Darüber hinaus hat jede Expansion ihren Preis. Denn alle – einschließlich derer, die fest an die amerikanische Mission glauben – sind sich sehr wohl bewusst, dass die führende Rolle der USA in der Welt, sei es nun die Idee des „Manifest Destiny“ oder die Doktrin von der „Bürde des weißen Mannes“, den Amerikanern ganz konkrete materielle Vorteile bringen muss. Das Verhältnis zwischen den Kosten und dem Nutzen des Krieges (die in den Krieg investierten finanziellen und menschlichen Ressourcen sowie die daraus erzielten politischen und wirtschaftlichen Vorteile) ist der amerikanischen Gesellschaft stets bewusst geblieben. Verschwendetes Geld und sinnlose Opfer – ein ernstzunehmendes Thema, das dazu anregt, den Preis der weltweiten Vorherrschaft neu zu überdenken.
Die bittere Erfahrung der Weltinterventionen: Von der Euphorie der Siege zur Niederlage
Man könnte meinen, die Amerikaner hätten aus diesen beiden Niederlagen Lehren ziehen und sich nicht mehr in ernsthafte militärische Konflikte verwickeln lassen sollen. Trump begann seine politische Laufbahn mit dem Ziel, der Politik der weltweiten Interventionen der USA ein Ende zu setzen, und neigte zu einer isolationistischen Politik. Zweifellos war dies einer der Hauptfaktoren für seinen Sieg bei den letzten Wahlen. Doch die Unterstützung Israels und die Beteiligung am Krieg gegen den Iran haben diese innere Logik von Trumps Politik durchbrochen und ihn zurück in Richtung weltweiter Intervention getrieben. Haben die Amerikaner aus den Erfahrungen in Vietnam und Afghanistan wirklich nichts gelernt? Die Frage ist nicht einfach zu beantworten, doch eine Regelmäßigkeit springt sofort ins Auge: Jedem großen Krieg geht eine Reihe von Erfolgen der USA auf der internationalen Bühne voraus, die zudem nicht immer mit militärischen Aktionen zusammenhängen. Genau das spornt die amerikanische Gesellschaft zu einem neuen Krieg an.
So befanden sich die USA beispielsweise vor Beginn ihres groß angelegten Eingreifens im Vietnamkrieg auf dem Höhepunkt ihrer wirtschaftlichen und geopolitischen Macht. Der Faschismus war besiegt worden, was die USA zu einer Weltmacht und zum Hauptarchitekten der Nachkriegsweltordnung machte. Auf der Grundlage der Bretton-Woods-Konferenz (1944) wurde ein globales Finanzsystem geschaffen, das den US-Dollar als Weltreservewährung festigte. Der Marshall-Plan (1948) ermöglichte es, die westeuropäischen Länder vor einer tiefen Krise zu bewahren und sie fest an die Interessen der USA zu binden. Die Gründung des militärisch-politischen NATO-Bündnisses (1949) sicherte die Sicherheit der Länder des westlichen Lagers angesichts des beginnenden Kalten Krieges. Das amerikanische Weltraumprogramm war eine Reaktion auf die Starts sowjetischer Raketen und Satelliten und demonstrierte den hohen Entwicklungsstand von Wissenschaft und Technik.
Schließlich gelang es dank des Eingreifens der USA im Koreakrieg, den Vormarsch der kommunistischen DVRK und anschließend auch der Truppen der VR China aufzuhalten und damit die Unabhängigkeit Südkoreas zu verteidigen. In dieser Zeit festigte sich bei der US-Führung die Überzeugung, dass sie in der Lage sei, jede internationale Krise aus einer Position der Stärke heraus zu lösen, was später zur Entstehung der außenpolitischen „Domino-Theorie“ in Vietnam führte, die bei den Amerikanern breite Unterstützung fand.
Vor Beginn des Krieges in Afghanistan wiederholte sich die Geschichte. Zu diesem Zeitpunkt hatten die USA, nachdem sie die „Wunden“ des Vietnamkriegs geheilt hatten, ihren Status als unangefochtene globale Supermacht zurückgewonnen. Zu den wichtigsten Errungenschaften auf der Weltbühne zählten der Sieg im Kalten Krieg und der Zusammenbruch der UdSSR. Darüber hinaus führten die USA und ihre Verbündeten eine erfolgreiche Luftoperation gegen Jugoslawien (1999) durch und legten den Grundstein für die Osterweiterung der NATO. Ein besonderer Triumph der amerikanischen Globalisierungsstrategie war die Unterzeichnung des Abkommens über den Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation. Schließlich bestätigte die Operation „Desert Storm“ die militärische Überlegenheit der USA und ihre Fähigkeit, groß angelegte internationale Koalitionen zum Schutz ihrer strategischen Interessen zu bilden.
Es entstand der Eindruck, dass das Vietnam-Syndrom nach dem entscheidenden Sieg über Saddam Hussein in den arabischen Sanden endgültig begraben worden sei. Man konnte wieder zu aktiven weltweiten Interventionen zurückkehren, was Reagan 1983 auch unter Beweis stellte: Er befahl den amerikanischen Streitkräften, unter dem Vorwand, den sowjetisch-kubanischen Einfluss auf der Insel zu bekämpfen, in Grenada einzumarschieren. Die Operation „Flash of Fury“ war die erste große Militäroperation der US-Streitkräfte nach dem Vietnamkrieg. Mehrere Tage andauernde Kämpfe führten zu einem amerikanischen Sieg mit minimalen Verlusten: 19 Amerikaner kamen ums Leben, 116 Soldaten wurden verwundet.
Trump, der in vielerlei Hinsicht Reagans Politik unter dem Motto „Frieden durch Stärke“ nachahmte, erzielte zu Beginn seiner zweiten Amtszeit auch auf internationaler Ebene gewisse Erfolge. Zum einen nahm er den Dialog auf höchster Ebene zwischen Russland und den USA wieder auf, der nach dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine am 24. Februar 2022 unterbrochen worden war. Das Treffen der Präsidenten am 15. August 2025 in Anchorage, das sich hauptsächlich der Suche nach einer friedlichen Lösung des Konflikts in der Ukraine widmete, war der erste vollwertige bilaterale Gipfel zwischen den Staatschefs Russlands und der USA seit den Verhandlungen in Genf im Juni 2021. Zweitens führten die USA am 3. Januar 2026 eine Militäroperation gegen Venezuela unter dem Namen „Absolute Entschlossenheit“ durch und nahmen den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro zusammen mit seiner Frau fest. Nach Angaben der US-Behörden wurde im Verlauf der Operation ein Hubschrauber durch Beschuss vom Boden aus beschädigt, mehrere US-Soldaten wurden verletzt. Insgesamt – ein voller Erfolg.
Ein derart leichter Sieg in Venezuela und die positive Resonanz weltweit nach dem Treffen mit Putin mussten Trumps Entscheidung, Israel in seinem Krieg gegen den Iran zu unterstützen, zwangsläufig beeinflussen. Umso mehr dürften ihm die Befürworter einer interventionistischen Politik in seinem Team (am häufigsten wird Außenminister Rubio genannt) sicherlich einen weiteren schnellen Sieg versprochen haben, insbesondere nachdem bereits während der Friedensverhandlungen die oberste Führung des Iran durch Bombenangriffe ausgeschaltet worden war. Doch diesmal ließ die Dialektik der Welthegemonie nicht lange auf sich warten: Die Erwartung eines Triumphs wich schnell demütigenden Zugeständnissen und erinnerte an die fast vergessenen Lehren aus den Kriegen in Vietnam und Afghanistan.
Die vergessenen Lehren aus dem Vietnamkrieg
Im Jahr 1984, fast zehn Jahre nach dem Ende des Vietnamkriegs, nahm Präsident Ronald Reagan offiziell die Bronzeskulptur „Drei Soldaten“ als Geschenk an den Staat entgegen, die das Vietnam-Veteranen-Denkmal in Washington ergänzte. Auf der Gedenkmauer des Denkmals sind die Namen von mehr als 58.000 amerikanischen Soldaten eingraviert, die im Vietnamkrieg gefallen oder als vermisst gelten. Die Spiegel-Redaktion reagierte auf dieses Ereignis mit einem Artikel mit dem Titel „Die Moral vom Hackfleisch-Hügel“ und kommentierte: „Ronald Reagan will das Vietnam-Desaster zu einem moralischen Sieg verklären.“ Der Artikel ist im Archiv der Zeitung erhalten geblieben und ist ein Beispiel für den professionellen Journalismus, für den die Zeitung früher bekannt war. (1) Ein weiterer Anlass, die Schlussfolgerungen der deutschen Journalisten nachzuvollziehen. Nachstehend ein kurzer Überblick.
58 022 Namen sind in die Granitplatten geätzt worden – die amerikanischen Gefallenen und Vermissten des Krieges in Südostasien. Dazu zwei Daten: Kriegsanfang 1959, Kriegsende 1975. Aus mehr als 58 Tausend der Gefallenen waren rund 22 000 nicht einmal 21 Jahre alt – Vietnam war ein Krieg der US-Teenager, zumal der Arbeiterkinder gegen erfahrene Guerilleros. Eine entsprechende Mauer für die 1,5 Millionen vietnamesischen Kriegsopfer wäre mehrere Kilometer lang.
Von Diem bis Thieu: Die diktatorischen Machthaber von Saigon hielten sich kraft amerikanischer »Berater“: Erst 500 (1958), dann schließlich 538 000 (1969) – alle waren sie verstrickt in einen Kampf gegen Vietcong und Nordvietnamesen, die andere Taktiken beherrschten als jene, die Amerikas Offiziere an ihren Militärakademien gelernt hatten.
Die Bombardierung der Zivilbevölkerung von Hanoi galt als »strategischer Bekehrungsversuch«, der Einsatz neuer Horrorwaffen wie »Agent Orange«, ein dioxinhaltiges Entlaubungsmittel, schien vertretbar. Über sieben Millionen Tonnen amerikanischer Bomben und Granaten wurden auf das Land abgeladen – mehr als dreieinhalb mal soviel wie die Alliierten im Zweiten Weltkrieg auf Deutschland und das besetzte Europa abwarfen.
Doch die Sprengkörper zeigten auch bei den fernen Verbündeten ungewollte Wirkung – über Westeuropa zog eine Welle des Antiamerikanismus. An die Stelle des 1963ermordeten Kennedy (der kurz vor seinem Tod ein Ende des Vietnam-Engagements erwogen hatte) rückten andere Heilige der jungen Generation – Ho Tschi-minh in Asien, Che Guevara in Südamerika.
In der ärgsten binnenamerikanischen Konfrontation seit dem Bürgerkrieg teilte sich die Nation in feindliche Lager. Die Konservativen um Goldwater und Reagan wollten Nordvietnam am liebsten atomar bombardieren („let“snuke “em“); die Liberalen um Robert Kennedy sahen keinen Sinn darin, an einem »Bürgerkrieg unter Asiaten teilzunehmen«.
Amerikas wahre Niederlage, so behaupten heute die Generale von einst, fand in den Wohnzimmern der Nation statt. In jahrelanger Live-Berichterstattung von den südostasiatischen Schlachtfeldern verwandelte das US-Fernsehen die Vietnam-Ereignisse in einen endlosen Anti-Kriegsfilm. Fernsehstationen und ihre Ansager stiegen zu tonangebenden, moralischen Instanzen auf: Was sie zeigten, schien glaubwürdiger als die endlosen Friedens-Versprechungen der Politiker.
Als der Krieg schließlich vorüber war, hatte sich das ganze Land verwandelt; die 50er Jahre, der glückliche Provinzialismus der Eisenhower-Jahre, all das war endgültig versunken. Auf den Bildschirmen hatten asiatische Kinder im Napalm-Feuer gebrannt. Amerikaner waren als Massenmörder an vietnamesischen Müttern und Babys entlarvt worden. Die Daheimgebliebenen hatten bunte Abbilder ihrer eigenen Gewalt gesehen, und ihnen war speiübel geworden.
In einer Kraftanstrengung bemühte sich Amerika fortan, Vietnam zu vergessen wie eine überstandene Infektion. Aber das Unglück war zu groß, um für immer begraben zu bleiben: Vietnam kehrt wieder wie ein Alptraum, der sich nicht vertreiben läßt. »Ob wir im moralischen Sinne etwas gelernt haben«, bezweifelt angesichts solcher Generale der Kennedy-Berater und Historiker Arthur Schlesinger. Möglich sei, daß »Amerika nun wisse, welch großer Fehler es ist, in der Geschichte der Menschheit Gott spielen zu wollen«.
Tatsache ist auch, daß sich niemand zu diesem Fehler bekennen wird. Die US-Senatoren und -Abgeordneten, sonst für jeden telegenen Auftritt in parlamentarischen Untersuchungsausschüssen dankbar, forderten nach 1975 kein einziges Vietnam-Tribunal, sondern propagierten Vergeßlichkeit.
Der demokratische Präsident Jimmy Carter verkündete 1977, Stunden nur nach seinem Einzug ins Weiße Haus, es sei an der Zeit, »mit dem Vietnamkrieg zu Ende zu kommen«. Jene 500 000 »Abtrünnigen«, die sich dem Wehrdienst durch Flucht ins Ausland, zumal nach Kanada, entzogen hatten, sollten heimkehren. Selbst Deserteure könnten mit Milde rechnen. Carter: »Ich verspüre keinen Wunsch, irgend jemand zu bestrafen.« Und: »Die ganze Sache ist jetzt vorbei.«
Drei Jahre nach Carters Aufruf zur Vietnam-Amnestie schlug Ronald Reagan in einer Rede vor den »Veterans of Foreign Wars« den neuen Ton an: »Zu lange haben wir mit dem Vietnam-Syndrom gelebt.« Zeit zur Geschichts-Revision, Zeit der konservativen Trendwende: Der »neue Patriotismus« (Reagan) entpuppte sich als der alte.
Ex-Präsident Richard Nixon behauptet in seinem Werk „No More Vietnams“: »Heute, nachdem die kommunistische Regierung über eine halbe Million Vietnamesen und über zwei Millionen Kambodschaner getötet hat, lautet das abschließende moralische Urteil über unsere Anstrengungen, Kambodscha und Vietnam zu retten: Nie haben wir für eine moralischere Sache gekämpft.« Tatsache ist freilich, daß die »Rettung Kambodschas« mit einem schweren US-Bombardement derjenigen anhob, die»gerettet« werden sollten; wahr ist auch, daß Dunkelmänner wie die Saigon-Herren General Ky, General Khanh und schließlich General Thieu für alles standen, nur nicht für Moral.
Flecken auf dem Schlachtgemälde werden entfernt: Vergeben wurde dem Leutnant William Calley, der im März 1968im vietnamesischen Dorf My Lai mindestens 22 Zivilisten ermordete und dafür 1971 zu lebenslänglicher Haft verurteilt wurde. Drei Jahre Hausarrest mußte der Soldat absitzen. Verziehen wurde auch die Tat des Polizeichefs von Saigon, Nguyen Ngoc Loan, der während der kommunistischen Tet-Offensive 1968 einem gefangenen Vietcong die Pistole an die Schläfe drückte und ihn vor der Kamera eines AP-Photographen erschoß. Der Lichtbildner wurde für die Aufnahme mit dem Pulitzer-Preis geehrt, der Polizeichef konnte in letzter Minute mit Frau und Kindern in die USA fliehen und besitzt jetzt ein Restaurant in Burke, Virginia.
Granaten, Raketen der anrückenden Kommunisten zerschmetterten 1975 nach und nach die Start- und Landebahnen auf den Flugplätzen der südvietnamesischen Hauptstadt und trafen zuletzt auch Gebäude der US-Botschaft. Schließlich konnten die Evakuierungs-Hubschrauber der vor der Küste kreuzenden US-Flotte nur noch vom Dach eines Wohnhauses auf dem US-Botschaftsgeländes abheben.
Verzweifelte Südvietnamesen durchbrachen an jenem 29. April die Tore der US-Vertretung. Die US-Maschinen waren für sie das letzte verbliebene Fluchtmittel. Und wie der ganze Krieg, so verlief auch der Abzug der Amerikaner chaotisch, würdelos, unmenschlich … Die dramatischen Bilder dieser Evakuierung vom Dach trafen die Nation »noch einmal tief in der Seele«, erinnert sich Senator Kerry.
»Wir haben nicht gesiegt«, argumentiert Admiral U. S. G. Sharp in einer Vietnam-Retrospektive, »weil uns nicht gestattet wurde, mit unserer ungeheuren See- und Luftmacht die entscheidenden Schläge zu führen.« Sharp, von 1964 bis 1968 Befehlshaber der Navy im Pazifik, einschließlich Vietnams: »Ich wollte den Feind dort treffen, wo es schmerzt: im Herzen Nordvietnams.« Er hat es wohl immer noch nicht begriffen: Amerika wurde nicht von einem zentral besiedelten, hochindustrialisierten Land besiegt, der sich einem Dauerbombardement gebeugt hätte, sondern von Gegnern, die zum Teil in schwarzen Pyjamas kämpften, die leicht bewaffnet waren und erst in der letzten Phase des Krieges in Panzern einherkamen. Amerikas Lufthoheit, Tausende von Hubschraubern – all das nutzte nichts gegen unsichtbare feindliche Truppen auf Fahrrädern, in Tunnelsystemen und im Dschungel. Selbst Wunderwaffen wie amerikanische »Menschenriech-Geräte« konnten den Feind nicht orten. »Charlie«, der Durchschnittsvietcong, war schlauer als die Tötungsmaschine des Pentagon.
Als Reagans Truppen auf der Karibik-Insel Grenada landeten, durften – ein Novum der amerikanischen Militärgeschichte – Reporter nicht mit. Von 1965 bis 1975 hingegen übertrugen US-TV-Gesellschaften rund 4000 Vietnam-Dokumentationen – Bilder von verstümmelten GIs (ein umgangssprachlicher Begriff für einen Soldaten der US-Armee, Anm. d. Autors), zerbombten Dörfern, entlaubten Wäldern. Vietnam dominierte die Schlagzeilen und die Photoseiten: Gummisäcke auf den Schlachtfeldern zum Abtransport der Leichen, Särge der Gefallenen in Transportmaschinen, Beerdigungen auf dem Heldenfriedhof zu Arlington.
Mit jeder neuen Gefallenen-Statistik wuchs der Widerstand daheim. 1964 hielten noch 43 Prozent den Vietnamkrieg für ein gerechtes amerikanisches Engagement; 1975 waren es schließlich nur noch 20 Prozent. Von 7,5 Millionen Gis, die während der Vietnam-Dekade in Amerikas Streitkräften dienten, desertierten 550 000, um 50 000 mehr, als die Bundeswehr insgesamt Soldaten zählt. Die alten Normen wurden im Vietnamkrieg aufgebraucht, und der Krieg kam gewissermaßen ins eigene Land -»Gewaltgewöhnung« nannten Sozialpsychologen das, was folgte: Nach dem Attentat auf Martin Luther King, den schwarzen Bürgerrechtler, brannten 1967 die Gettos Amerikas. Nichts war mehr wie früher.
Annähernd drei Millionen GIs, durchschnittlich 19,2 Jahre alt, wurden nach Südostasien abkommandiert, Schwarze aus den Gettos, Jungen von den Farmen in Iowa oder aus den Automobilfabriken in Detroit. Diese GIs waren, so der ehemalige »New York Times«-Reporter Seymour Hersh, der das Massaker von My Lai enthüllt hatte, »letztlich Opfer wie jene, die sie töten sollten«. Als sie von den Gefechten heimkehrten, erhielten sie keinen Dank, wehte kein Konfetti über Siegesparaden wie nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Bürger wollten den Vietnamkrieg vergessen und vergaßen dabei ihre Veteranen. Gemessen an dem hohen amerikanischen Anspruch, im Ausland ein Held gewesen zu sein, hatten sie versagt.
Der große Revisionist Ronald Reagan jedoch holte die Veteranen aus ihrer Isolation; im Mai letzten Jahres wurden nicht mehr zu identifizierende Überreste eines Vietnam-Gefallenen zwischen den Gräbern des Unbekannten Soldaten des Zweiten Weltkrieges und Koreas auf dem Heldenfriedhof zu Arlington beigesetzt. Der Präsident trat an den Sarg und verkündete der Nation, ein amerikanischer Held sei heimgekehrt: »Er verkörpert das Herz, die Seele, den Geist Amerikas.«
Doch auf Vietnamkriegs-Fragen antworten die meisten in der Vietnamkriegs-Dekade geborenen Schüler mit großer Naivität: My Lai? »Nie gehört.« Tet-Offensive? »Gegen wen?« Ho Tschiminh? »Ein Reisgericht?« Ihr Wissen beschränkt sich auf Banales: »In Vietnam haben wir gegen Kommunisten gekämpft. Die Kommunisten sind das Böse. Also war der Krieg gerecht.« Bei einem derartigen Wissensstand, fürchtet Historiker Schlesinger, »wird das Weltbild des Ronald Reagan auf viele junge Amerikaner zwangsläufig überschwappen«. Fast scheint es schon soweit: Während des Vietnamkrieges konnte kaum ein Rekrutierungsoffizier der Streitkräfte – ungefährdet – in Uniform ein Universitätsgelände betreten. Das hat sich geändert. Unter den Jungen ist das Militär wieder populär.
Der Krieg in Vietnam war von Anfang an verloren. Das ist es, was noch heute nicht hingenommen wird. Amerika sucht noch immer nach dem Sinn: Irgend etwas war schiefgelaufen, irgend etwas stimmte nicht, irgend etwas fehlt bis heute, um jene Frage vom Hackfleisch-Hügel gültig für immer zu beantworten: »Vietnam – war es das wert?«
Die vergessenen Lehren aus dem Krieg in Afghanistan
Der Vietnamkrieg begann als Partisanenkrieg. Der Krieg in Afghanistan war von Anfang bis Ende ein Partisanenkrieg. Und jeder Partisanenkrieg folgt seiner eigenen Logik, die wie eine Warnung klingt: „Ohne die ‚Herzen und Köpfe‘ der Menschen zu gewinnen, ist es unmöglich, einen Partisanenkrieg zu gewinnen.“ Eigentlich liegt in diesem Satz die ursprüngliche Bedeutung der sogenannten „Soft Power“ verborgen – wenn man nicht durch Zwang, sondern durch Sympathie gewinnt. Das Problem der „Hard Power“ einer militärischen Intervention besteht darin, dass sie die „Soft Power“ vollständig zunichte macht und Sympathie in Hass verwandelt. Das ist eine uralte Wahrheit, doch mit der Weiterentwicklung der Drohnenproduktion und der Globalisierung des Rüstungsmarktes gewinnt sie eine besondere Bedeutung: Alte Kriegskonzepte werden durch neue abgelöst, bei denen nicht mehr das Metall, sondern der Mensch zur wertvollsten Ressource wird. In einem solchen Krieg gegen Partisanen zu gewinnen, wird selbst mit modernster Bewaffnung immer schwieriger. Vietnam und Afghanistan sind zwei Beispiele für die erfolgreiche Führung eines Partisanenkriegs gegen einen stärkeren Gegner.
In diesem Zusammenhang lässt sich die Aussage von General Norman Schwarzkopf anführen, der am Vietnamkrieg zunächst als Berater in der Phase der begrenzten US-Intervention und dann als Kommandeur eines Bataillons der US-Landstreitkräfte teilgenommen hatte. Später, während einer Reise ins sozialistische Vietnam, gab er in einem Interview mit dem legendären amerikanischen Fernsehjournalisten Dan Rather zu, dass die direkte militärische Intervention der USA im Vietnamkrieg ein „schrecklicher Fehler“ gewesen sei. Und er erklärte, warum.
Während die amerikanischen Soldaten, die als Berater nach Vietnam entsandt wurden, spezielle Kurse zur Anpassung an die örtlichen Gegebenheiten absolvierten, eine gemeinsame Sprache mit ihren südvietnamesischen Offizierskollegen zu finden, um das nationale Selbstwertgefühl durch die Anwesenheit von Ausländern im Land in keiner Weise zu verletzen, so haben die Planer in Washington bei der mehrfachen Aufstockung des Militärkontingents (zunächst um das Achtfache, bald darauf um das Sechzehnfache) vernachlässigten diesen Faktor, und die Haltung der ins Land gebrachten Soldatenmasse gegenüber den südvietnamesischen Militärs und der lokalen Bevölkerung insgesamt schlug in eine herablassend-verächtliche ein. Wörtlich sagte der General: „Wir haben sie sogar beiseitegeschoben und gesagt: „Aus dem Weg, kleiner gelber Bruder. Die Guten sind jetzt da, wir gehen da raus“, weißt du, „die Kavallerie ist eingetroffen, wir gehen da raus und besiegen die „Indianer“ auf dem Land, du trittst einfach zurück“. Ein schrecklicher Fehler. Ein schrecklicher Fehler!“(2)
In Afghanistan hat sich die Einstellung der Amerikaner gegenüber dem „gelben Bruder“ kein bisschen geändert. Der Publizist und Journalist Kersten Knipp zieht in seinem Artikel „Verlorenes Vertrauen“ für die Zeitschrift Rotary (2021) Bilanz über den 20-jährigen Krieg in Afghanistan und schreibt: „Dem Bureau of Investigative Journalism in London zufolge starteten die Interventionsstaaten allein zwischen 2015 und 2020 über 13.000 Drohnenangriffe, dabei sollen zwischen 4000 und 10.000 Afghanen getötet worden sein, darunter mindestens 1600 Kinder. Zahlen wie diese verdeutlichen den gewaltigen Unterschied in der Wahrnehmung dieses Krieges. Während im Westen von Präzisionswaffen und einem durch sie ermöglichten „sauberen“ Krieg die Rede ist, erleben die Afghanen diesen auf ganz andere Weise, nämlich als dauerndes Verhängnis – als unberechenbare Schicksalsmacht, die jederzeit den Tod aus den Wolken schicken kann. Diejenigen, die gekommen waren, das Land zu befreien, praktizierten aus Sicht der zu Befreienden eine tödliche Arroganz. „Wir schossen regelmäßig auf Menschen, deren Identität unklar war“, schreibt der ehemalige US-Soldat Erik Edstrom in seinem Buch Un-American. A soldier’s reckoningof our longest war (Unamerikanisch. Die Bilanz eines Soldaten über unseren längsten Krieg). „Die Afghanen wurden von uns komplett entmenschlicht.“ (3)
Den USA und ihren Verbündeten ist es nie gelungen, die „Herzen und Köpfe“ der Afghanen für sich zu gewinnen, was die Militäroperation in diesem Land zum Scheitern verurteilte. Doch das ist nicht die einzige Lehre aus dem Afghanistan-Krieg: Viele von denen, die dem Westen vertraut und den neuen Machthabern dabei geholfen hatten, ein neues Leben aufzubauen, wurden nach der Machtübernahme durch die Taliban ihrem Schicksal überlassen. Kersten Knipp beschreibt diese Situation wie folgt: „Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen nimmt an, dass bis Ende 2021 rund eine Million Afghanen versuchen werden, ihr Land zu verlassen. Sie dürften vor allem zu den gebildeten Bürgern gehören, jenen, die für das stehen, was der Westen über Jahre als politische Verheißung im Angebot führte: Pluralismus,Demokratie, Rechtsstaatlichkeit. Mit ihrer Flucht vollzieht sich der nächste Akt jenes Exodus, der sich seit Jahren andeutete und in zahlreichen – im Westen kaum bemerkten –Tragödien vorbereitete. Einher gingen sie mit einer schleichenden Erosion des Glaubens an die vom Westen gemachten Versprechen.“ (4)
Einst war die Freiheitsstatue in New York, die Freiheit, Demokratie, Frieden und Menschenrechte verkörpern sollte, für Millionen von Menschen auf der ganzen Welt ein Symbol der Hoffnung auf ein neues Leben. Zbigniew Brzezinski glaubte an die unwiderstehliche Kraft der amerikanischen Kultur und betonte, dass sich gerade darin die Einzigartigkeit der USA als Weltmacht zeige. Doch nach dem Krieg in Afghanistan ist das Symbol der Freiheit, das die ganze Welt erhellen sollte, merklich verblasst. Der Anspruch auf Universalität des amerikanischen Lebensstils stieß erneut auf die kulturelle Vielfalt der Länder und Völker und bewies damit die Unfähigkeit der USA, in irgendeiner Weise – sei es durch „Soft Power“ oder mit militärischen Mitteln – für die ganze Welt zum Vorbild für Freiheit, Demokratie, Frieden und Menschenrechte zu werden.
Doch das ist noch nicht alles. Die Bilder der schmachvollen Flucht amerikanischer Soldaten aus Kabul haben die amerikanische Nation an ihrer verwundbarsten Stelle getroffen: ihrem Glauben an die Einzigartigkeit und die göttliche Mission der USA. Darüber schreibt beispielsweise der deutsche Politikwissenschaftler Torben Lütjen in einem Artikel für die Zeitschrift Rotary mit dem markanten Titel „Ami, go home!“ (2021): Den USA sind nicht nur die materiellen Ressourcen zu schade, die es brauchen würde, um die globale Führungsrolle weiter auszuüben. Es sind vor allem die für solcherlei notwendigen ideologischen Ressourcen, die final versiegt sind. Die US glauben nicht mehr an ihre Mission und ihre moralische Überlegenheit. Das liegt nicht nur am isolationistischen Nationalismus der amerikanischen Rechten. Im Zuge der Totalabrechnung mit der amerikanischen Geschichte, die jetzt primär nur noch von ihren dunklen Seiten her erzählt wird, hat auch der US-Liberalismus den Glauben daran verloren, die Welt moralisch nach seinem Bild formen zu können. Wer die eigene Geschichte eher als Schandfleck denn als Ruhmesblatt empfindet, der hat sein Sendungsbewusstsein verloren.“ (5)
Ein typischer Fall: Damit jemand an seiner Einzigartigkeit zweifelt, muss er in einer Schlägerei einen Schlag auf die Nase abbekommen. Mit diesem Erbe trat Donald Trump in seine zweite Amtszeit als Präsident ein.
Letzte Warnung
Und was ist mit dem Krieg gegen den Iran, der den gesamten Nahen Osten erfasst hat? Auch dieser ist im Grunde ein Guerillakrieg, den man unmöglich gewinnen kann, ohne die „Herzen und Köpfe“ der dort lebenden Menschen für sich zu gewinnen. Und es geht dabei nicht einmal um Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran, die zwar eine Atempause bringen können, aber nicht in der Lage sind, das Hauptproblem zu lösen: den Guerillakrieg in dieser Region zu beenden, der seit der Gründung des Staates Israel zu einem Dauerzustand geworden ist. Selbst die absolute militärische Überlegenheit der USA und Israels gegenüber dem Iran ist nicht in der Lage, den Widerstandsgeist von Millionen von Menschen zu brechen, die den Weg des Partisanenkriegs eingeschlagen haben.
Der Krieg gegen den Iran wurde zu einem weiteren „Schandfleck“ für die amerikanische Gesellschaft. Wenn es in zwanzig Jahren trotz des Einsatzes modernster Technologien der hybriden Kriegsführung und der Ausgabe von zwei Billionen Dollar nicht gelungen ist, westliche Werte in dem kleinen Afghanistan zu etablieren, was soll man dann erst vom Iran sagen, der nicht nur Zehntausende, sondern Hunderttausende von Partisanen unter Waffen stellen kann? Und was soll man erst von der übrigen, nicht-westlichen Welt mit ihrer milliardenschweren Bevölkerung sagen, die sich weigert, die amerikanischen Werte freiwillig anzuerkennen? Die Fackel der Freiheit beleuchtet den Amerikanern schon lange nicht mehr den Weg zur Schaffung einer idealen, freien Gesellschaft, die als Leuchtturm und Vorbild für den Rest der Welt dienen soll.
Durch ihren Einstieg in den Krieg im Iran hat sich die Trump-Regierung selbst in eine Sackgasse manövriert. Die im Weißen Haus ausgearbeitete neue Sicherheitsstrategie, die darauf abzielte, Zeit zu gewinnen und neue Kräfte zu sammeln, wurde mit einem einzigen Federstrich des Präsidenten zunichte gemacht. Der versprochene leichte Sieg über den Iran ist ausgeblieben. Ein langwieriger Konflikt im Nahen Osten könnte ein weiteres, nun bereits iranisches „Niederlagensyndrom“ hervorrufen, insbesondere wenn in diesem Konflikt nicht nur Raketen, sondern auch amerikanische Soldaten zum Einsatz kommen. Daher ist die Neigung der Trump-Regierung, nach Kompromissen zu suchen, durchaus verständlich. Auch die gesamte neue Strategie der USA, in der China als Hauptgegner bezeichnet wird, steht nun in Frage. Wer wird nun für die freie Durchfahrt von Schiffen durch die Taiwanstraße kämpfen, wenn es nicht einmal gelungen ist, die Straße von Hormus zu verteidigen?
Ein Krieg gegen den Iran kann also als letzte Warnung der USA angesehen werden. Von nun an wird jeder Schritt in Richtung einer weltweiten Intervention von einem neuen, noch entschlosseneren Widerstand begleitet sein, was Schmitts These bestätigt, dass das in der Dialektik der amerikanischen Politik verankerte Dilemma zwischen Isolation und Intervention „mit jedem weiteren Schritt der geschichtlichen Entwicklung steigern“ wird.
„Ami, go home!“ Dieser Aufruf ertönt immer lauter und erfasst den gesamten Planeten.
2.https://www.youtube.com/watch?v=y3AIUQtGaDA&t=475s (7:55 — 8:06)
3. Kersten Knipp: Verlorenes Vertrauen, in: Rotary-Magazin, 01.10.2021
4. Ebenda
5. Torben Lütjen: „Ami, go home!“, in: Rotary-Magazin, 01.10.2021.