Von der Isolation zur Intervention und zurück: Chronik der Ereignisse

Erstes Mal, so Schmitt, war Dilemma zwischen Isolation und Intervention in der US-Politik nach dem Sezessionskrieg von 1861-65 sichtbar, wenn die Vereinigten Staaten von Amerika „ihr altes Überlegenheitsgefühl gegenüber den europäischen Großmächten zurückgewonnen hatten“. Die Isolation des amerikanischen Kontinents vom alten Europa ging mit intensiven Eingriffen in die umliegenden Regionen einher. Zweitens Mal „äußerte sich das ungelöste Dilemma in einer Mischung von Anwesenheit und Abwesenheit“ der amerikanischen Politik in Europa seit 1890 bis 1939, also in der Zeit der Zerstörung der bestehenden Weltordnung des Jus Publikum Europaeum, die „zum Schicksal der Genfer Liga geworden ist“. Während des ersten Weltkrieg 1914-1918 bewegte es die Politik des amerikanischen Präsident Woodrow Wilson, die sich „zwischen den beiden Extremen von Selbs-Isolierung und Welt-Intervention„ befangen, „bis sie mit ungeheurer Wucht auf die Seite des Interventionismus fiel“. (1)

Natürlich lassen sich die Schwankungen der amerikanischen Politik in die eine oder andere Richtung anhand konkreter Beispiele nachvollziehen, beispielsweise durch die Analyse der Chronologie wichtiger historischer Entscheidungen der US-Regierung. Nachfolgend finden Sie einen solchen Versuch.

1801 – 1809: Thomas Jeffersons Isolationismus

Thomas Jefferson war einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten und der hauptsächliche Verfasser der Unabhängigkeitserklärung. Seine Überzeugungen standen in der Tradition der Aufklärung und prägten sein ideologisches Vorbild: Die USA sollten als „Leuchtturm der Freiheit“ durch innere Vollkommenheit und moralische Überlegenheit wirken, anstatt ihre Ideale durch Kriege in die Welt zu tragen. Er war ein Vorkämpfer für religiöse Freiheit, Demokratie und Menschenrechte, sein Wissensdurst manifestierte sich in seiner mehr als 6.500 Bände umfassenden Bibliothek. Darüber hinaus machte sich Jefferson einen Namen als Architekt, wurde zu einem Pionier der amerikanischen Archäologie und war der Initiator des Weinbaus nach europäischem Vorbild.

Als dritter amerikanischer Präsident (1801 – 1809 ) verfolgte er eine Politik, die den Grundstein für den amerikanischen Isolationismus legte. Das Hauptprinzip seiner Außenpolitik war: Nichteinmischung in fremde Konflikte. Das heißt: „Handel mit allen Nationen, Bündnis mit niemandem“. Er zielte darauf ab, die junge amerikanische Republik durch wirtschaftliche Unabhängigkeit und innenpolitische Stabilität vor Verwicklungen und Kriegen in der Alten Welt zu bewahren. Unter seiner Führung erfolgte die territoriale Expansion der USA nicht auf militärischem Wege, sondern durch einen Deal: 1803 erwarben die USA von Frankreich das Gebiet von Louisiana für 15 Millionen Dollar und erhielten damit ein riesiges Gebiet (rund 2,1 Millionen Quadratkilometer), wodurch sich die Größe der jungen Republik mehr als verdoppelte.

Jefferson konzentrierte sich auf die Stärkung der Vereinigten Staaten und glaubte, dass der Frieden und die Freiheit der amerikanischen Republik am besten durch eine auf Landwirtschaft basierende Wirtschaft garantiert werden könnten. Sein Ideal von Amerika war das einer Nation von freien, unabhängigen Bauern. Er war auch ein Vertreter des freien Handels und ein eifriger Verfechter der Rechte der Einzelstaaten. Er war ein strikter Gegner zentralisierter Macht, Finanzeliten und der Errichtung einer US-Nationalbank. Er sah in ihnen eine existenzielle Bedrohung für die amerikanische Demokratie und die persönliche Freiheit der Bürger. Er befürchtete, dass die Kontrolle über die Währung und die Geldmenge in den Händen weniger Eliten zu einer schleichenden Enteignung und Entmachtung des Volkes führen würde.

Sein Bekenntnis zur Landwirtschaft, dem freien Handel und dem Föderalismus stand jedoch im Widerspruch zu den Bestrebungen der Politiker aus dem Norden der USA, die auf die industrielle Entwicklung des Landes setzten. Der Initiator dieser Entwicklungsrichtung Amerikas war ein weiterer Gründervater der Vereinigten Staaten – Alexander Hamilton, Finanzminister in der ersten US-Regierung. Er stand für das Leitbild eines starken Zentralstaates, aktive staatliche Förderung der Wirtschaft, des Handels und der nationalen Industrien und die Integration in die liberale Weltwirtschaftsordnung zur Förderung amerikanischer Unternehmen.

So sahen sich die Vereinigten Staaten bereits zu Beginn ihrer Geschichte in Gestalt ihrer Gründerväter – Jefferson und Hamilton – mit zwei unterschiedlichen Vorstellungen vom amerikanischen Traum konfrontiert. Jeffersons Ideal war ein autarkes, agrarisch geprägtes Amerika freier Bauern, eine Art Prototyp einer moralischen und blühenden Gesellschaft, in der Demokratie, Religionsfreiheit und lokale Selbstverwaltung gedeihen. Hamilton strebte einen zentralisierten und wirtschaftlich starken Staat mit einer hoch entwickelten Industrie und einem gut ausgebauten Bankensektor sowie einer starken Armee und Marine an. Er sah die Zukunft Amerikas als weltweite Industrie- und Finanzmacht. Mit anderen Worten: Jeffersons Isolationismus stieß auf Hamiltons Internationalismus und leitete damit eine dialektische Auseinandersetzung zwischen Isolation und Intervention in der amerikanischen Politik ein.

1823: Das Prinzip des Isolationismus in der Monroe-Doktrin

Gemäß der Monroe-Doktrin lautet das Prinzip der US-Außenpolitik: Die USA betrachten den amerikanischen Kontinent als ihre Einflusssphäre und haben die westliche Hemisphäre für neue koloniale Eroberungen durch europäische Mächte für geschlossen erklärt. Gleichzeitig sicherten die USA zu, sich aus europäischen Konflikten herauszuhalten. Hinter dieser Politik unter dem Motto „Amerika den Amerikanern“ stand derselbe Grundsatz der Nichteinmischung, doch bezog er sich ausschließlich auf die Beziehungen zu den europäischen Ländern. Auf das Gebiet beider amerikanischer Kontinente erstreckte sie sich nicht und ebnete damit den Weg für eine Einmischung der USA in die inneren Angelegenheiten der Staaten Mittel- und Südamerikas.

1829 – 1837: Von Jeffersons Idealen zu ihrer Umsetzung durch Präsident Andrew Jackson

Der siebte Präsident der USA, Andrew Jackson (1829 – 1837), erhob Jefferson zu ihrem Vorbild. Seine Amtszeit markierte einen entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte der USA. Erstens war er der erste US-Präsident, der nicht aus dem elitären Establishment der Ostküste stammte. Er gewann die Wahlen durch direkte Appelle an die breite Masse der weißen Wählerschaft und fühlte sich als Präsident des Volkes. In seiner Amtszeit wurde in vielen US-Bundesstaaten das passive Wahlrecht abgeschafft, wodurch die Mehrheit der weißen Männer unabhängig von ihrem Einkommen das Wahlrecht erhielt. So erhielt Jeffersons Ideal einer Nation freier, unabhängiger Bauern den nötigen Auftrieb, um verwirklicht zu werden.

Zweitens führte Jackson einen erbitterten Kampf gegen die mächtige Zentralbank der USA (Second Bank of the United States), die er als Instrument der Elite und als Bedrohung für die Freiheit der einfachen Bürger betrachtete. Er entzog ihr die staatlichen Gelder, besiegelte damit ihr Ende und wurde zum ersten Präsidenten, der tatsächlich versuchte, gegen die allmächtige Finanzelite anzukämpfen. Jefferson wäre stolz auf ihn gewesen.

Drittens hielt Jackson ebenso wie Jefferson am Grundsatz der Nichteinmischung in die Angelegenheiten anderer Staaten fest und konzentrierte sich ganz auf die Stärkung der Vereinigten Staaten. So bestätigte er beispielsweise erst Anfang März 1837, kurz vor dem Ende seiner Regierungszeit, die Anerkennung von Texas als souveräner Staat, der 1836 seine Unabhängigkeit von Mexiko erlangt hatte (unter der Bedingung, dass Texas nicht Teil der Vereinigten Staaten werden würde). Und erst nach Ablauf seiner Amtszeit sprach er sich für den Beitritt von Texas zu den Vereinigten Staaten aus.

Doch bevor er die Ideen seines Vorbilds in die Praxis umsetzen konnte, musste Jackson sich aktiv an der Gründung einer neuen Partei beteiligen, die den Namen „Demokratische Partei“ erhielt. Er führte das „Spoils-System“ ein (Ämterpatronage), wonach nach einem Regierungswechsel nicht Fachleute, sondern vertrauenswürdige Anhänger in staatliche Ämter berufen werden. Er dehnte die Exekutivgewalt erheblich aus; so hat er beispielsweise sein Vetorecht als Präsident weitaus häufiger genutzt als alle seine Vorgänger zusammen. Dafür haben ihm seine politischen Gegner den spöttischen Titel „König Andrew I.“ einbracht. Um schließlich die Unterstützung seiner wichtigsten Wählerschaft, der weißen Farmer, zu gewinnen, setzte sich Jackson aktiv für die gewaltsame Vertreibung der indianischen Bevölkerung aus den fruchtbaren Waldgebieten im Südosten der USA in die unfruchtbaren Gebiete des heutigen Bundesstaates Oklahoma ein. Dies führte zur Zwangsumsiedlung vieler Indianerstämme und kostete Tausende von Indianern auf dem sogenannten „Trail of Tears“ das Leben.

Dennoch haben beide Präsidenten, Jefferson und Jackson, in der Geschichte der USA nicht nur als Vertreter des Isolationismus, sondern auch als wichtige Wegbereiter der amerikanischen Demokratie, die als „Jeffersons“ und „Jacksons“-Demokratie bezeichnet werden, ihre Spuren hinterlassen.

1845: „Manifest Destiny“ als Rechtfertigung der Expansionspolitik

Am 2. Dezember 1845 verkündete US-Präsident Polk dem Kongress, dass die Monroe-Doktrin konsequent durchzusetzen sei und dass die USA ihre Sphäre im Westen aggressiv erweitern würden. Am 29. Dezember 1845 annektierten die Vereinigten Staaten die Republik Texas und erklärten sie zum 28. Bundesstaat der USA. Am 13. Mai 1846, nach mehreren Zusammenstößen im Grenzgebiet, erklärten die USA Mexiko offiziell den Krieg. Es war das erste Mal in der Geschichte der USA, dass Kanonen den amerikanischen Dollar als Mittel der Expansion verdrängten und damit eine Ära militärischer Interventionen einläuteten. Es war das erste Mal in der Geschichte der USA, dass Kanonen den US-Dollar als Mittel zur Expansion verdrängten und damit den Weg für militärische Interventionen in ihrem Einflussgebiet – der westlichen Hemisphäre – ebneten.

Dem Krieg gegen Mexiko ging jedoch ein anderes, noch wichtigeres Ereignis voraus: die Veröffentlichung eines Artikels im Jahr 1845 in einer New Yorker Zeitschrift, in dem erstmals die Idee der „Manifest Destiny“ formuliert wurde. Diese Idee stützte sich auf die weit verbreitete Ansicht, dass die Ideale der Freiheit und der amerikanischen Nation in andere Länder getragen werden sollten. Viele behaupteten, die Ausdehnung der USA auf den gesamten nordamerikanischen Kontinent sei eine göttliche Berufung, was als moralische Rechtfertigung für die Vertreibung der Ureinwohner und den Krieg gegen Mexiko diente. So wurde die Expansion nicht als einfacher Landraub dargestellt, sondern als ein von Gott gewollter Auftrag, um die unberührte Wildnis zu zähmen und die Zivilisation in den Westen zu bringen. Die US-Regierung schürte bewusst das Gefühl einer missionarischen Berufung im Volk.

Allerdings wurde die Idee der „Manifest Destiny“ bei weitem nicht von allen bedeutenden amerikanischen Persönlichkeiten geteilt, darunter auch Abraham Lincoln. Vertreter der Whig-Partei sahen die moralische Mission Amerikas nicht darin, Krieg zu führen, sondern darin, ein Vorbild für Demokratie zu sein. Dennoch hat sich die Vision von einer einzigartigen amerikanischen Mission tief in der politischen Kultur der USA verankert und dient bis heute als Rechtfertigung für eine interventionistische Politik.

1989: „Die Bürde des weißen Mannes“als Rechtfertigung für koloniale Einmischung in weltpolitische Angelegenheiten

Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Nordamerika, einst eine britische Kolonie, selbst zu einer Kolonialmacht. Als Wendepunkt im Übergang der USA von einer Politik der Isolation hin zu weltweiten Interventionen gilt gemeinhin der Philippinisch-Amerikanische Krieg (1899–1902). Eine nicht unerhebliche Rolle spielte dabei Rudyard Kiplings berühmte Doktrin „Die Bürde des weißen Mannes“. Susan Arnd beschreibt im Buch „Rassismus“ (2012), wie eng die Verbindung der amerikanischen Politik und Kiplings Kolonialideologie war. Im Februar 1899, so Arnd, schrieb der Autor des Dschungelbuches, Rudyard Kipling, ein Gedicht mit dem Titel The White Man`s Burden: The United States and The Philippine Islands. Er schickte es Theodore Roosevelt, 1900 Vizepräsident und von 1901 bis 1909 der Präsident der USA. Die literarisch verpackte Botschaft lautete, die USA sollen sich nunmehr der „Bürde“ eines Empire stellen. Dabei fiel das Erscheinen des Gedichtes mit dem Beginn des Krieges USA gegen Philippinen zusammen. Roosevelt schickte das Gedicht seinem Freund Senator Henry Cabot Lodge, versehen mit dem Kommentar, dass es zwar „poetisch arm sei, jedoch den richtigen Sinn für die Expansionsfrage habe“. (2)

Die „Bürde des weißen Mannes“ meinte, die Welt mit Kolonialmethoden „retten“ zu müssen. Dazu benötigen die Kolonialisten das entsprechende Pendant: den „unzivilisierten und primitiven“ Bewohner der Kolonie. Im Grunde ging es darum, die Dynamik der sozialen Entwicklung Europas wieder ins Lot zu bringen und alle kolonialisierten Gesellschaften in den Warteraum der Geschichte zu verbannen, wodurch sie für immer dazu verdammt waren, Teil der Vergangenheit Europas zu sein. Dem kolonialisierten Menschen wurden die „Quintessenz des Bösen“ sowie das Fehlen jeglicher Moral und Werte zugeschrieben. Daher ist laut Kipling die Kolonisierung durch die Kolonisatoren kein Vergnügen, sondern eine Last.

Zum einen wurde der Kolonisierte als kindesgleich imaginiert. Im Kern zieht es in einem materialistischen Zugriff auf Geschichte darauf ab, gesellschaftliche Dynamiken Europas zur Norm zu erheben und den Entwicklungsstand der kolonisierten Gesellschaften in den Warteraum der Geschichte zu stellen – auf ewig dazu verdammt, Europas Vergangenheit zu sein. Die „imperial race“ sei aufgerufen, die nicht-weißen „Rassen“ – auch gegen ihren Willen – an europäischen Entwicklungsstandards teilhaben zu lassen. Dem Kolonisierten wird attestiert, die „Quintessenz des Bösen“ zu sein und jeglicher Moral sowie aller Werte zu entbehren. Deshalb war, wie Kipling eine weit verbreitete Meinung zum Ausdruck brachte, eine Kolonisierung durch Kolonisatoren keine Lust, sondern eine Bürde. (3)

Koloniale Verbrechen konnten dadurch moralisch zugelassen werden. Den „Anderen“ fehle Geschichte und deshalb auch Zukunft. Dies aufzuheben, hatte sich die weiße Welt aufgebürdet – eine effektive Entlastungsstrategie für die verübten Grausamkeiten. Dabei lässt man keinen Zweifel daran, so Susan Arnd, dass nicht der Wunsch, Gutes in die Welt zu tragen, der Motor des Kolonialismus und Imperialismus ist, sondern allein das Ansinnen, sich an den Reichtümern der Kolonien zu bereichern: von Gummi bis Elfenbein, Gold bis Diamanten, Land bis Arbeitskräften. (4)

Während sich die Idee der „Manifest Destiny“ nur auf Amerika bezog, erstreckte sich die „Bürde des weißen Mannes“ bereits auf den gesamten Globus.

1901–1909: Die erste Phase der weltweiten Expansion unter Theodore Roosevelt infolge des Philippinenkriegs

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam es unter Präsident Theodore Roosevelt (1901–1909) zu grundlegenden Veränderungen in der Politik der USA. Erstens hat sich die außenpolitische Bedeutung der Monroe-Doktrin gewandelt: War sie bis dahin auf ein Nichteinmischen der europäischen Staaten ausgerichtet, nahmen die USA nun selbst für sich das Recht in Anspruch, auf beiden amerikanischen Kontinenten einzugreifen, wenn die Entwicklungen dort nach ihrem Dafürhalten eine Gefahr für die dortige oder die eigene Sicherheit zu werden drohten.

Diese Erweiterung der Monroe-Doktrin erhielt einen eigenen Namen: „Roosevelt Corollary“. Am 6. Dezember 1904 hielt Roosevelt eine Rede vor dem US-Kongress und sagte: „Chronisches Fehlverhalten (…) kann in Amerika, wie auch anderswo, letztendlich ein Eingreifen einer zivilisierten Nation erforderlich machen, und in der westlichen Hemisphäre kann die Einhaltung der Monroe-Doktrin durch die Vereinigten Staaten diese in eklatanten Fällen solchen Fehlverhaltens oder solcher Ohnmacht, wenn auch widerwillig, zur Ausübung einer internationalen Polizeigewalt zwingen.“ Dem ging die US-amerikanische Unterstützung der Abspaltung Panamas von Kolumbien sowie die Beteiligung der USA an der Lösung der Krise in Venezuela in den Jahren 1902–1903 voraus. In den Folgejahren diente die „Roosevelt Corollary“ den USA als Legitimation zahlreicher „Bananenkriege“ in Mittel- und Südamerika zur Durchsetzung von Handelsinteressen US-amerikanischer Firmen. So intervenierten die USA zum Teil mehrfach in Kuba, der Dominikanischen Republik, Haiti, Nicaragua, Mexiko und Honduras. (5)

Zweitens führte der Krieg auf den Philippinen (1899 – 1902) dazu, dass die Expansion der USA weit über die Grenzen Amerikas hinausging. Der Krieg begann als Militäraktion gegen Spanien unter dem Vorwand, den für ihre Unabhängigkeit kämpfenden Philippinern zu helfen, und endete als Kolonialkrieg gegen die philippinischen Aufständischen mit allen Merkmalen eines Kolonialkrieges. Infolge des Krieges starben zwischen 200.000 und 1 Million Filipinos, meist an Cholera, die rein militärischen Verluste waren mit rund 16.000 deutlich niedriger. Der Krieg wird in manchen Teilen der Forschung als Genozid angesehen. Mit Ausnahme der Zeit der japanischen Besatzung während des Zweiten Weltkriegs blieben die Philippinen bis 1946 faktisch eine Kolonie der USA und eine Art Umschlagplatz für den Handel mit China.

1914 – 1917: Der erste Schritt weg von der Isolation hin zu einer Politik der weltweiten Intervention

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs erklärten die Vereinigten Staaten zunächst ihre Neutralität nach den Grundsätzen der Monroe-Doktrin, aber im April 1917 waren sie dennoch gezwungen, in den Krieg einzutreten. Der Grund für den Beitritt zur Entente war in erster Linie die aggressive Kriegstaktik Deutschlands, das einen uneingeschränkten U-Boot-Krieg erklärte. Der Tod amerikanischer Bürger, einschließlich der Versenkung der Linienschiffe „Lusitania“ im Jahr 1915 und „Arabia“ im Jahr 1916, löste in der amerikanischen Gesellschaft eine Welle der Empörung aus. Öl ins Feuer goss das vom britischen Geheimdienst abgefangene „Zimmermann-Telegramm“, in dem Deutschland Mexiko anbot, in den Krieg gegen Amerika einzutreten, wenn dieses sich dem Konflikt anschließen würde. Als „Belohnung“ versprach Berlin, Mexiko bei der Rückeroberung der verlorenen Gebiete (Texas, New Mexico und Arizona) zu helfen.

Aber der Hauptgrund für den Kriegseintritt betraf offenbar wirtschaftliche Interessen. Der Krieg machte die USA vom Schuldner zum Hauptgläubiger Europas. Amerikanische Banken und Konzerne gewährten den Ländern der Entente riesige Kredite und organisierten massive Waffen- und Lebensmittellieferungen. Eine Niederlage der Entente hätte für die USA den Verlust von Investitionen in Milliardenhöhe bedeutet.

Natürlich kann man über die geopolitischen Ambitionen der USA sprechen, deren ideologischer Inspirator der US-Präsident Woodrow Wilson war. Aber der Erste Weltkrieg hatte Amerika noch nicht zu einer Weltmacht gemacht, mit allen daraus resultierenden Konsequenzen. Die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen kann nur als Vorbereitungszeit für den Übergang von einer Politik der Neutralität (Isolation) zu einer aktiven Teilnahme an den Weltangelegenheiten (Intervention) angesehen werden, die im Kellogg-Pakt (1928), in der Stimson-Doktrin (1932) und in der Panama-Deklaration (1939) verankert ist. Dennoch war die ideologische Grundlage für eine weltweite Intervention bereits geschaffen: Die amerikanische Mission, eine Zone des Rechts, des Friedens und der Freiheit zu errichten, sollte die roten Linien der Monroe-Doktrin überschreiten und den gesamten Globus umfassen.

1941–1945: Der endgültige Abschied vom Isolationismus

Vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs herrschte in der amerikanischen Gesellschaft noch eine starke isolationistische Stimmung. In der Zeit von 1935 bis 1939 verabschiedete der US-Kongress eine Reihe von „Neutralitätsgesetzen“ (Neutrality Acts), um das Land vor der Verwicklung in neue globale Konflikte zu bewahren. Insbesondere wurde ein Embargo für die Lieferung von Waffen, Munition und militärischer Ausrüstung an alle am bewaffneten Konflikt beteiligten Länder verhängt. Daher musste Franklin Roosevelt, der 1940 für eine dritte Amtszeit als Präsident gewählt wurde, in seinen Wahlreden beispielsweise den Amerikanern versichern: „Eure Söhne werden nicht in irgendwelche Kriege im Ausland geschickt werden.“ (6)

Aber die militärische Bedrohung vom europäischen Kontinent und später auch von Japan nahm nur zu, und es war unmöglich, sich davon abzuschotten. Daher wichen die USA, die am 3. September 1939, also unmittelbar nach dem deutschen Überfall auf Polen, offiziell ihre Neutralität erklärt hatten, bereits wenige Monate später von der Neutralitätspolitik ab. Im November 1939 genehmigte der US-Kongress den Verkauf von Waffen an die Kriegsparteien, indem er ein Neutralitätsgesetz nach dem Prinzip „Cash and Carry“ verabschiedete. Später, am 11. März 1941, verabschiedete der Kongress das berühmte Lend-Lease-Gesetz, das die Verleihung oder Vermietung von Waffen, Ausrüstung und Rohstoffen an Länder ermöglichte, deren Verteidigung für die USA wichtig war. Und im Oktober 1941 wurde das Programm dieses Gesetzes auf die Sowjetunion ausgeweitet.

Darüber hinaus begannen die USA, sich aktiv auf einen Krieg vorzubereiten. Am 26. Mai 1940 hielt Roosevelt eine seiner berühmten Radioansprachen an die amerikanische Bevölkerung, bei der er angesichts der verheerenden deutschen Offensive in Westeuropa eine massive Aufrüstung forderte und die isolationistische US-Öffentlichkeit davor warnte, sich in falscher Sicherheit zu wiegen. Er betonte, dass der technologische Fortschritt der Kriegsführung die Ozeane als natürlichen Schutzschild für die USA unbrauchbar gemacht habe. Er bat den US-Kongress auf, fast 900 Millionen Dollar für einen beispiellosen Ausbau und eine Modernisierung der Streitkräfte bereitzustellen, einschließlich des Baus von Tausenden von Flugzeugen, und forderte die zivile Rüstungsindustrie auf, ihre Produktion massiv zu steigern.

Am 14. September 1940 verabschiedete der US-Kongress das Gesetz „Selective Service Act“ (rechtliche Rahmen für die Wehrpflicht), obwohl die USA noch nicht direkt am Krieg beteiligt waren. Angesichts der bedrohlichen Lage im Fernen Osten verstärkte die US-Regierung die Maßnahmen zur Erweiterung der Stützpunkte im Pazifik, insbesondere auf den Inseln Guam, Midway und Samoa. Usw. Die USA traten offiziell am 7. Dezember 1941 in den Zweiten Weltkrieg ein, nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor. Aber dies war bereits ein Akt des endgültigen Übergangs von einer Politik der Isolation zu einer Politik der globalen Intervention. Die notwendige politische und wirtschaftliche Grundlage für einen solchen Übergang war bereits geschaffen. Vom Herbst 1939 bis zum Herbst 1943 stieg die Industrieproduktion der Vereinigten Staaten um fast das 2,5-fache. Das Bruttosozialprodukt der USA stieg von 90 Milliarden Dollar im Jahr 1940 auf 200 Milliarden Dollar im Jahr 1944. Geopolitisch gesehen haben die USA nach dem Zweiten Weltkrieg, nicht ohne Beteiligung der UdSSR, endgültig ihren Status als Welt-Supermacht gefestigt. Die amerikanische Gesellschaft wurde in ihrer besonderen göttlichen Mission noch stärker.

1945–1953: Von der Monroe-Doktrin zur Truman-Doktrin der globalen Intervention

Nach der Doktrin von Harry Truman, die er am 12. März 1947 verkündete, erhielt die Politik der globalen Intervention eine ideologische Grundlage: die Eindämmung des Kommunismus. Es war nicht nur eine Ablehnung des traditionellen Isolationismus und des Grundsatzes der Nichteinmischung in die Angelegenheiten anderer Staaten, die in der Monroe-Doktrin verankert waren: Die USA verkündeten einen Kurs der offenen Intervention und der Bereitstellung umfangreicher militärischer und finanzieller Hilfe, um die Ausweitung des Einflusses der UdSSR zu verhindern. Es wurde der NATO-Block geschaffen, der im Rahmen der transatlantischen Einheit den gesamten Westen in seinem „Kreuzzug“ gegen seinen ideologischen Gegner, den bolschewistischen Osten, vereinen sollte.

Es schien, als wäre der Isolationismus in der US-Politik endgültig begraben. Doch weit gefehlt: Er taucht immer dann wieder auf, wenn die Politik der globalen Intervention ins Stocken gerät – zu tief hat er sich in die Geschichte der USA eingegraben. Darüber hinaus kann man eine besondere Gesetzmäßigkeit in der Manifestation des dialektischen Konflikts zwischen der amerikanischen Politik der Isolation und der globalen Intervention feststellen: Je intensiver die Intervention, desto stärker ist die Neigung der US-Regierung, soziale Reformen durchzuführen. Je länger eine Militäraktion dauert und je höher die Zahl der Opfer ist, desto stärker neigt die amerikanische Gesellschaft dazu, zu ihren ideologischen Wurzeln zurückzukehren, nämlich zum Isolationismus.

Auch hier gibt es eine gewisse Logik. Im Grunde bedeutet Isolationismus, dass die Innenpolitik Vorrang vor der Außenpolitik hat. Genau das zeichnete die Politik der traditionellen Vertreter des Isolationismus aus, beispielsweise der Präsidenten Thomas Jefferson und Andrew Jackson. Aber was kann das bedeuten, wenn die Politik der globalen Intervention mittlerweile legitimiert, global und dauerhaft geworden ist? Nur, dass das Land eine ausgeprägtere Innenpolitik benötigt, die auf Traditionen und sozialen Reformen basiert. Diese ist notwendig, um die Entwicklungsdynamik der USA nicht zu stören, die durch das Dilemma zwischen Isolations- und Interventionspolitik zerrissen wird. Man könnte diese Politik bedingt als „Postisolationismus“ bezeichnen: eine Art Isolationismus unter den Bedingungen einer Politik der globalen Intervention.

Übrigens war es Truman selbst, der das erste Beispiel für eine solche Politik lieferte. Sie ging unter dem Namen „Fair Deal“ in die Geschichte der USA ein.

1963 – 1969: Lyndon B. Johnsons Postisolationismus

Die starke Innenpolitik erfuhr in den 1960er Jahren den Aufwind, als der demokratische Präsident Lyndon B. Johnson (1963 – 1969) unter dem Eindruck des laufenden Vietnamkriegs ein umfassendes innenpolitisches Reformprogramm (Great Society) propagierte. Er wollte die amerikanische Gesellschaft durch den Ausbau des Wohlfahrtsstaates grundlegend transformieren. Der Civil Rights Act of 1964 und der Voting Rights Act of 1965 beendeten die Rassentrennung und sicherten das Wahlrecht für Afroamerikaner. Head Start-Programm eröffnete die Bildungschancen für benachteiligter Vorschulkinder. Dazu kamen die Einführung von Medicare (Krankenversicherung für Senioren) und Medicaid (Hilfe für einkommensschwache Familien).

All dies spielte sich vor dem Hintergrund von Massenprotesten, Antikriegsdemonstrationen und Streiks an den Universitäten ab. Sänger, Musiker und Künstler äußerten kritische Meinungen, und John Lennons Lied „Give Peace a Chance“ wurde zur Hymne der Protestbewegung. Der Widerstand gegen den Krieg verstärkte sich insbesondere ab Mitte der 1960er Jahre, als die Zahl der Opfer unter den amerikanischen Soldaten stieg und Berichte über den Einsatz chemischer Waffen durch die US-Armee sowie über Massenmorde an der vietnamesischen Zivilbevölkerung an die Öffentlichkeit gelangten.

Während anfangs viele Amerikaner die „Domino-Theorie“ unterstützten, wonach eine Intervention notwendig sei, um die Ausbreitung des Kommunismus zu verhindern, änderte sich die Einstellung der Amerikaner zum Krieg gegen Ende der 1960er Jahre. Im Jahr 1973 sah sich die Regierung aufgrund ausbleibender militärischer Erfolge und des anhaltenden Drucks seitens der Öffentlichkeit gezwungen, den Krieg zu beenden und die Truppen aus Vietnam abzuziehen. Insgesamt kamen während der Kriegsjahre fast 60.000 amerikanische Soldaten ums Leben. Der Krieg hinterließ das sogenannte „Vietnam-Syndrom“, das sich in einer ablehnenden Haltung gegenüber militärischen Interventionen äußerte. Das gewachsene Bestreben des amerikanischen Volkes, die Beteiligung seines Landes an Kriegshandlungen im Ausland zu vermeiden, ging nicht selten mit der Forderung einher, den Krieg als Mittel zur Lösung außenpolitischer Krisen aus dem Instrumentarium der nationalen Politik der Regierung zu streichen.

1981–1989: Ronald Reagans Postisolationismus

Reagans harte Außenpolitik (1981–1989), die auf dem Prinzip „Frieden durch Stärke“ beruhte, wurde von einer Wiederbelebung traditioneller amerikanischer Werte begleitet – mit Schwerpunkt auf Patriotismus, traditionellen Familien- und christlichen Werten. Seine Doktrin, die darauf abzielte, das „Reich des Bösen“ und den Kommunismus auf der ganzen Welt aktiv zu bekämpfen, benötigte die Unterstützung der amerikanischen Gesellschaft, die er weniger in sozialen Reformen als vielmehr in einer Rückkehr zu den Traditionen suchte. Reagan war gegen Abtreibung, unterstützte das Gebet in den Schulen und verteidigte die Idee, dass Amerika eine „Stadt auf einem Hügel“ (ein Leuchtfeuer der Freiheit für die ganze Welt) sei.

In der Wirtschaft hielt sich Reagan an das Prinzip der Deregulierung und setzte auf Steuersenkungen, unternehmerische Freiheit und die Bekämpfung der Inflation. In vielerlei Hinsicht spiegelte seine Innenpolitik die Ideale der Gründerväter der Vereinigten Staaten von Amerika wider, insbesondere die von Thomas Jefferson. Dies zeigte seinen Isolationismus unter den Bedingungen einer aktiven interventionistischen Politik, die mit dem Wunsch verbunden war, die Autorität der Vereinigten Staaten wiederherzustellen, die nach dem Vietnamkrieg und der Energiekrise der 1970er Jahre erschüttert worden war. Auf diesem Weg hat er viel erreicht. Die größte Errungenschaft seiner Politik war die Niederlage der UdSSR im Afghanistan-Krieg (1979 – 1989) und der anschließende Zusammenbruch des sowjetischen Systems.

Es schien, dass die Dialektik zwischen Isolation und Intervention in der amerikanischen Politik bis zum Ende des 20. Jahrhunderts ihre dialektische Kraft verlieren sollte. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion entfiel die Notwendigkeit einer globalen Intervention: Die USA hatten keine ernsthaften Konkurrenten mehr auf der Weltbühne, wie der berühmte amerikanische Politikwissenschaftler Francis Fukuyama in seinem Manifest „Das Ende der Geschichte“ erklärte. Wen sollte man noch erobern und vor wem sollte man sich abschotten? Amerikanische Strategen schmiedeten Pläne für die endgültige Integration Russlands in den westlichen Einflussbereich, und mit China, das zu diesem Zeitpunkt zur Industriewerkstatt des Westens geworden war, konnte man sich immer einigen. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts gab es laut dem bekannten amerikanischen Politikwissenschaftler Zbigniew Brzezinski auf dem geopolitischen Schachbrett der Weltpolitik schlichtweg keine anderen ernstzunehmenden Konkurrenten mehr.

Dennoch machte derselbe Brzezinski bei der Entwicklung der amerikanischen Strategie für das 21. Jahrhundert einen Vorbehalt, der heute sowohl für die USA als auch für die ganze Welt von schicksalhafter Bedeutung ist: Um die einzige und letzte Supermacht zu werden, müssen die USA dafür die Zustimmung ihres Volkes erhalten.

1. Carl Schmitt, Der Nomos der Erde im Völkerrecht des Jus Publicum Europaeum, Duncker&Humbolt GmbH, Berlin, 5. Auflage 2011, S. 270-271.

2. Susan Arndt, Rassismus. Die 101 wichtigsten fragen, Verlag C.H. Beck, München 2012. S. 72-73.

3. Ebenda, S. 73.

4. Ebenda, S. 73-74.

5. https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/576446/was-besagt-die-monroe-doktrin/

6. https://www2.gwu.edu/~erpapers/iyam/iyam_1941_11.cfm